Serientipps: 11 x Nachschub für die Sommerpause 2017

Dass die neue Staffel von „Game of Thrones“ dieses Jahr sogar im Sommer startet, zeigt: die Sommerpause für Serienfans ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Schade eigentlich, ich mochte die gute alte Serien-Sommerpause, in der man wochenlang aufholen konnte, was man in anderen Serien verpasst hatte.
Trotzdem: Ein bisschen ruhiger ist es ja im Juli und im August, weswegen ich 11 Serientipps aufgeschrieben habe – für alle, die auf der Suche nach neuem Stoff sind. Eine bunte Mischung: alt und neu – zum Lachen und zum Mitfiebern – aus den USA und woanders her. Und auf jeden Fall: von Herzen.

„Please like me“ – So traurig und so lustig wie das wahre Leben

Joshs Freundin trennt sich von ihm, weil sie meint, er sei schwul – etwa zur selben Zeit versucht seine Mutter, sich das Leben zu nehmen. So startet „Please like me“ und nein, daraus entsteht kein schweres Drama, sondern eine lebensbejahende Serie übers Erwachsenwerden, die mal sehr fröhlich, mal tieftraurig, aber nie belanglos ist. Für mich ist sie ein kleines Meisterwerk, einzelne Folgen dieser australischen Produktion sind so stark, dass ich sie am liebsten mehrfach direkt nacheinander geguckt hätte. Der Kopf dahinter: Josh Thomas. Er hat die Serie erfunden, geschrieben, spielt die Hauptrolle und führt hin und wieder Regie.
Alle vier Staffeln gibt’s bei Netflix.

„Goliath“ – Abgewrackter Rechtsanwalt sucht Gerechtigkeit

David gegen Goliath: Ein Anwalt nimmt den Kampf gegen einen riesigen Konzern auf, der offenbar Dreck am Stecken hat. Ja, das Thema hat man schon oft gesehen. Aber die Umsetzung hier ist großartig: Das fängt damit an, dass Billy Bob Thornton die Hauptrolle des heruntergekommenen Anwalts perfekt spielt, geht weiter damit, dass es viele spannende Frauenfiguren gibt (meine Favoritin: Nina Arianda als Patty Solis-Papagian), dass „Goliath“ toll gefilmt ist und Drehbuchautor David E. Kelley sich spannende Variationen zum bekannten Thema ausgedacht hat.
Die bisher einzige Staffel gibt’s bei Amazon Prime.

„Patriot“ – Melancholisches Agenten-Drama mit dem gewissen Etwas

Ein Geheimagent, der so geheim ist, dass nur der innerste Zirkel des inneren Zirkels etwas über ihn weiß, und der traurige Folksongs über die Einsätze schreibt, um sie zu verarbeiten. Sein neuester Auftrag: Geld übergeben, um eine Wahl im Iran zu manipulieren. Doch das muss natürlich im Geheimen passieren, was diese Geldübergabe so kompliziert macht, dass sich die gesamte erste Staffel darum dreht. „Patriot“ ist ein Spionage-Drama, wie ich bisher kein zweites gesehen habe. Unglaublich nah an den Figuren, phasenweise herrlich absurd und grotesk, dann wieder melancholisch und sehr spannend. Ich kann es kaum abwarten, bis die zweite Staffel kommt.
Die bisher einzige Staffel gibt’s bei Amazon Prime.

(via Giphy)

„Wishlist“ – Spannende Webserie made in Wuppertal

Deutsche Serien spielen in Berlin oder Hamburg, vielleicht auch in Köln oder München. Aber Wuppertal? Schon die Wahl die Drehortes zeigt: Die deutsche Webserie „Wishlist“ ist anders. Es geht um eine App, die Wünsche erfüllt – aber Gegenleistungen fordert. Spannendes Thema, packend umgesetzt.
Die bisher einzige Staffel gibt’s auf Youtube oder bei funk.net, die zweite Staffel ist in Arbeit.

„Rick and Morty“ – Wahnsinn ohne Methode

Rick ist ein genialer Wissenschaftler, Morty sein etwas einfältiger Enkel (in einer früheren Version stand hier „Neffe“. Das ist natürlich totaler Quatsch und war ein peinlicher Flüchtigkeitsfehler meinerseits). Zusammen erleben die beiden Abenteuer, die selten von dieser Welt sind, sondern oft auf anderen Planeten oder in Paralleluniversen spielen. Die Animationsserie „Rick and Morty“ ist für Nerds ein ganz großer Spaß, weil es hier vor nerdigen Anspielungen und Ideen nur so wimmelt. Kein Wunder, denn dahinter steckt Dan Harmon, der auch die Comedy „Community“ gemacht hat und offenbar einige Ideen, die er mit der „Community“-Figur Abed ausprobiert hat, hier in aller Konsequenz weiterführt.
Wer mehr darüber wissen will: In meinem Podcast „Seriendialoge“ habe ich mit Dr. Christian Stöcker, Experte für Nerdkultur, über die Entwicklung der Nerdfigur in Serien geredet und natürlich kommt auch die Serie „Rick and Morty“ vor.
Die beiden bisherigen Staffeln gibt’s zum Beispiel bei Netflix, Amazon oder iTunes.
Nachtrag am 7.8.: Die dritte Staffel ist Ende Juli regulär gestartet (im Frühjahr war überraschend die erste Folge veröffentlicht worden) und in Deutschland beim Bezahlsender TNT Comedy zu sehen.

„Jane the Virgin“ – Warmherzigkeit trifft auf Telenovela-Satire

Ein Menschenbild, wie man es in Serien selten sieht: In „Jane the Virgin“ glauben die Hauptfiguren an das Gute im Menschen und dass es für jedes Problem eine Lösung gibt. Schon allein das tut sehr gut. Dazu: sehr witzige Ideen, liebenswerte Charaktere und überraschend relevante Themen. Ja, der Ausgangspunkt (junge Frau, die mit dem Sex bis zur Ehe warten will, wird durch einen sehr blöden Zufall schwanger – ohne jemals Sex gehabt zu haben) hört sich seltsam an. Einfach einschalten und darauf einlassen – es lohnt sich.
Zwei Staffeln gibt’s zum Beispiel bei Netflix, Amazon oder iTunes.

(via Giphy)

„Lilyhammer“ – Mafia-Groteske in Norwegen

Die perfekte Abkühlung, sollte es wieder richtig heiß werden: „Lilyhammer“ spielt in Norwegen und in der Serie liegt sehr oft sehr viel Schnee. Die Story: Ein New Yorker Mafia-Mitglied (Steven Van Zandt) sagt aus, soll in den Zeugenschutz und wünscht sich, dass er nach Norwegen in das Örtchen Lillehammer ziehen darf. Er darf und nun prallen zwei Welten aufeinander. Interessant zu beobachten, wie er versucht, sein altes Mafia-Verhaltensmuster beizubehalten (er kennt ja nix anderes), und wie das den Ort verändert, wie aber die Menschen in Lillehammer gleichzeitig ihn verändern. Die erste Staffel ist unbedingt sehenswert, in Staffel 2 war für mich allerdings die Luft raus.
Alle drei Staffeln gibt’s zum Beispiel bei Netflix, Amazon oder den Sky-Streamingdiensten.

„Crazy Ex-Girlfriend“ – Verrückte Comedy mit noch verrückteren Musical-Einlagen

Rebecca Bunch (Rachel Bloom) ist eine erfolgreiche Anwältin in New York, die Karriere-Treppe geht steil nach oben. Da entscheidet sie sich, in ein kleines Kaff nach Kalifornien zu ziehen (das noch nicht mal nah an der Küste liegt). Und jeder fragt sich: Warum tut sie das? Hat das vielleicht mit Josh zu tun, in den sie vor Jahren im Sommercamp verliebt war? Nein! Natürlich nicht! Sie ist schließlich keine verrückte Ex-Freundin. Oder doch? „Crazy Ex-Girlfriend“ ist herrlich. Herrlich witzig, herrlich bissig und irgendwie besonders. Denn: Es gibt musikalische Einlagen, die die Handlung vorantreiben, sie sind vom Stil her ganz unterschiedlich, aber sie sind alle toll geschrieben und gehen ins Ohr.
Staffel 1 gibt’s bei Netflix. In den USA ist die vierte Staffel derzeit in Arbeit.

(via Giphy)

„Crashing“ – Schräge britische Beziehungs-Comedy

Phoebe Waller-Bridge ist der Wahnsinn. Die Komikerin/Schauspielerin schreibt auf den Punkt und hat eine beeindruckende Präsenz, wenn sie ihre Geschichten spielt. Ich bin begeistert von ihrer Serie „Fleabag“, aber weil ich über die bereits hin und wieder geschrieben habe, empfehle ich hier jetzt: „Crashing“. Die sechsteilige Serie lief 2016 bei ITV in Großbritannien und ist seit ein paar Monaten auch in Deutschland verfügbar. Es geht um sechs Menschen, die gemeinsam gegen sehr wenig Miete in einem verlassenen Krankenhaus leben, um darauf aufzupassen. Die Idee stammt von Waller-Bridge, sie hat alle Folgen geschrieben und spielt die Hauptrolle. Die Figuren sind schräg, die Situationen absurd und überall schlägt britischer Humor durch. Ein großer Spaß.
Die bisher einzige Staffel gibt’s bei Netflix.

„Californication“ – Schöner Scheitern unter der Sonne Kaliforniens

Wer dringend Sonne braucht, für den könnte „Californication“ genau das Richtige sein: Die Sonne scheint ununterbrochen, hin und wieder sind Palmen zu sehen, die Hauptfigur Hank (David Duchovny) fährt Cabrio. Und: die Geschichte ist gut. Hank ist Schriftsteller, hatte ein sehr erfolgreiches Buch, das nun auch verfilmt wurde – was er eigentlich verachtet, wovon er aber sehr gut lebt. Mit dem Nachfolge-Werk will es nicht recht klappen, er lässt sich von Affären, Drogen und Alkohol bereitwillig ablenken. Was sein Leben nicht unbedingt leichter macht.
Alle sieben Staffeln gibt’s zum Beispiel bei Netflix, Amazon, iTunes oder den Sky-Streamingdiensten.

(via Giphy)

„Komm schon“ – Amüsante deutsche Sextherapeutin

Eine gelungene Comedy über eine Sextherapeutin zu schreiben, ist eine Herausforderung. Denn die Gefahr, dass der Witz unter die Gürtellinie abgleitet oder gar schlüpfrig wird, ist sehr groß. Bei „Komm schon“ aber ist das geglückt, weil die Figuren ernst genommen werden, obwohl man sich natürlich hin und wieder über sie lustig macht. Leider gibt’s von dieser ZDF-Neo-Produktion nur vier Folgen. Die sind aber alle vier sehenswert.
Die bisher einzige Staffel gibt’s bei Netflix und Amazon Prime.

Was immer geht: die Krankenhaus-Comedy „Scrubs“

Warum nicht einfach eine wunderbare Serie noch einmal gucken, die man bereits kennt? Ich kann da „Scrubs“ empfehlen. Denn das wäre meine erste Wahl, wenn ich tatsächlich Zeit für einen Re-Run hätte, aber bei mir stapeln sich gerade die „Will ich noch dringend reingucken“-Serien. Jaja, das harte Los, wenn man sich beruflich mit Serien beschäftigt. 😉 „Scrubs“ ist für mich die perfekte Sommer-Serie, weil sie eine gewisse Leichtigkeit ausstrahlt, weil sie warmherzig ist, weil sie teilweise schön absurd ist und weil sie einen tollen Soundtrack hat. Ein bisschen ausführlicher habe ich das in meiner Kolumne bei DWDL.de aufgeschrieben: „Ja, ‚Scrubs‘ gehört zu meinen Lieblingsserien“.
Alle neun Staffeln gibt’s bei Amazon Prime, iTunes oder Maxdome.

Wer noch mehr Auswahl braucht: Hier geht’s zu den Tipps von vergangenem Jahr.



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