Meine Serien-Linktipps (80)

Schon wieder gibt’s eine großartige deutsche Serie zu feiern. Außerdem habe ich ein paar spannende Texte zu Netflix‘ Daten-Liebe einerseits und Daten-Intransparenz andererseits gefunden. Und dann geht’s in den Serien-Linktipps um „Rick and Morty“ & seltsame Fans, „Star Trek“ & seltsame Fans – und noch mehr. Frohes Lesen!


(via Giphy)

Hinweis: Dieser Text ist beim Hören von mehreren Folgen von „Bibi und Tina“ entstanden. (Das Töchterchen kuschelt krank neben mir auf dem Sofa und lauscht ihrer Lieblingshörspiel-Serie.)

Ja! – Der Oktober 2017 ist ein guter Monat für die deutsche Serie. Erst ist mit viel Aufregung „Babylon Berlin“ gestartet und am Sonntag dann ohne viel Brimborium die sehr sehenswerte Krimiserie „Das Verschwinden“ von Kinoregisseur Hans-Christian Schmid. Die Folge von Sonntag gibt’s online in der ARD-Mediathek, weiter geht’s im Ersten am 29., 30. und 31. Oktober. Wer wissen will, warum ich davon begeistert bin, hier ist meine Rezension, die ich für DWDL.de geschrieben habe.
Und wer mehr über den Hintergrund der Serie wissen will: Jens Mayer hat für seinen „Serienreif“-Podcast ein interessantes Interview mit Hans-Christian Schmid geführt.

Aha! – Drei verschiedene Netflix-Themen habe ich in dieser Woche eingesammelt und die fasse ich unter „Mehr über Netflix erfahren“ zusammen.
– Jonas Jansen für die „FAZ“ aufgeschrieben, wie Netflix seine Nutzer*innen ganz gezielt unterschiedlich anspricht und was der Streaminganbieter damit bezweckt.
– Die Netflix-PR-Abteilung hat einen neuen Begriff kreiert, der überall zitiert wurde: „Binge Racing“. Damit ist gemeint, dass man eine Staffel in den ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung durchschaut. In der Natur der Sache liegt es, dass kürzere Serien häufiger in den ersten 24 Stunden durchgeschaut werden und entsprechend sehen die Ranking-Listen aus, die Netflix veröffentlicht hat.
Was mich an der ganzen „Binge Racing“-Sache ärgert: Netflix drückt sich weiterhin davor, vergleichbare Zahlen zu veröffentlichen, schafft es aber trotzdem, mit Fantasie-Zahlen Medienthema zu werden. Denn ja, natürlich wollen wir alle wissen, ob die Serien, die wir selbst so schnell wie möglich durchschauen, in den Listen auftauchen.
Wer sich den Klick sparen will: In Deutschland und weltweit liegt „Gilmore Girls: Ein neues Jahr“ an der Spitze. Kein Wunder, die Staffel besteht nur aus insgesamt 6 Stunden.
Und wer sich die Listen anschauen will: Ein Text über Deutschland vom Branchendienst „Horizont“ – ein Text über die USA mit Hintergrund-Infos und Bewertung, der ist nämlich vom Branchenmagazin „Variety“.
– Und da ich gerade von vergleichbaren Zahlen sprach: In den USA arbeiten die Nielsen-Marktforschungsexperten seit einigen Jahren fieberhaft daran, die Zuschauer-Zahlen für Netflix zu ermitteln. Nielsen veröffentlicht in den USA seit Jahrzehnten die Fernseh-Einschaltquoten und will natürlich auch im Streaminganbieter-Quoten-Geschäft Marktführer werden. Doch erst muss man ein Mittel finden, diese Quoten verlässlich herausfinden zu können. Und offenbar hat man nun das Rätsel für Netflix gelöst, wie Nielsen vergangene Woche bekannt gab. Allerdings wurden die Zahlen nicht veröffentlicht, sondern nur an Produktionsfirmen verkauft. John Koblin hat für die „New York Times“ die Vorgänge und Probleme eingeordnet.

Seufz. – Homophob und gleichzeitig „Star Trek“-Fan? Das ist für mich ein Widerspruch. „Star Trek“ ist eine zutiefst optimistische Serie, die für Entdeckergeist, Offenheit und Respekt vor allen Lebensformen steht, egal ob sie anders sind als man selbst. Und das schließt selbstverständlich auch Menschen ein, die das gleiche Geschlecht lieben. Es war also eigentlich höchste Zeit, dass ein homosexuelles Paar in der Serie zu sehen ist. Für „Star Trek: Discovery“ wurde das bereits lange vor Ausstrahlung angekündigt – und vergangene Woche in Folge 5 war das Paar endlich zum ersten Mal zu sehen: Hugh Culber (Wilson Cruz) und Paul Stamets (Anthony Rapp). Natürlich hat das wieder irgendwelche Hater auf den Plan gerufen, denen Wilson Cruz mit einem lesenswerten Facebook-Post geantwortet hat.

Oh. – Erst war er suspendiert, jetzt ist Roy Price nicht mehr Chef der Amazon Studios. Es sieht allerdings nicht so aus, als sei der alleinige Grund dafür gewesen, dass Roy Price eine Produzentin sexuell belästigt haben soll. Josef Adalian hat für „Vulture“ aufgeschrieben, wie der Weggang von Roy Price zu bewerten ist und was das für Amazon-Video-Produktionen bedeuten könnte.

Oh! – Das könnte eine außergewöhnliche Serie werden: „Raising Dion“ handelt davon, wie eine alleinerziehende afro-amerikanische Mutter einen kleinen Jungen großzieht, der Superkräfte hat. Der Trailer ist vielversprechend. Interessant finde ich in dem Zusammenhang: Die Ankündigung, dass diese Serie für Netflix produziert wird, hat in den USA ein großes Echo erzeugt. Und zwar unter Afro-Amerikanern. Was wiederum sehr deutlich zeigt, wie wichtig Sichtbarkeit und Vorbilder im Fernsehen sind. Dion McGill hat das alles sehr gut nachvollziehbar aufgeschrieben.
(Lieben Dank an Jessica Wagener für den Hinweis!)

Was zur Hölle?!? – Jetzt zu einer Sache, die schon Anfang Oktober passiert ist: ausrastende „Rick and Morty“-Fans, weil bei McDonald’s eine bestimmte Sauce ausgegangen war. (Der Hintergrund in ganz kurz: Diese Sauce gab es in 80ern mal bei McD, sie wurde in Staffel 3 der Serie thematisiert, worauf McD die gratis PR genutzt hat, die Sauce nach produziert und an einem bestimmten Tag angeboten hat. Allerdings hat McD sowohl die Zahl der Fans als auch deren Beharrlichkeit und Aggressivität unterschätzt. Ja, langanhaltendes Kopfschütteln ist da durchaus angebracht.) Die News an sich fand ich nicht so spannend, aber die Einordnung von Aja Romano von „Vox“ dagegen umso mehr: Dass das ein weiterer Auswuchs einer männlich-dominierten Geek-Kultur ist, die sich in eine bedenkliche, fast schon zerstörerische Richtung entwickelt hat.

Hui! – Für alle, die gerne Serien passend zur Saison gucken, habe ich eine Auflistung bei „Vulture“ gefunden: „The 12 Most Terrifying TV Episodes to Watch this Halloween“ (Übrigens: eine Folge aus „Buffy“ ist auch dabei.)

Huch! – Woher kenn ich die oder den bloß? Die Frage geht mir beim Seriengucken oft durch den Kopf. In diesem Fall hätte ich das aber auf keinen Fall erkannt: Im Staffelauftakt von „The Walking Dead“ war im Hintergrund eine Figur zu sehen, die allen TWD-Gucker*innen sehr bekannt vorkommen dürfte. „Huffington Post“ hat die Person interviewt (das Interview kommt erst nach einer laaangen Erklärung).

Zum Schluss etwas Eigenwerbung – Und zwar für das Staffelfinale meines Podcasts „Seriendialoge“, für das ich mir ein Thema ausgesucht habe, das mir sehr am Herzen liegt: Frauenbilder. Frauen kommen im TV seltener und in anderen Zusammenhängen vor, als man das von der Realität her ableiten könnte. Gleichzeitig gibt es US-Serien mit faszinierenden Frauenfiguren. Höchste Zeit, darüber zu sprechen: Mit Dr. Christine Linke, die dazu eine umfassende Studie gemacht hat und sehr gerne Serien schaut. Wir reden über das deutsche Fernsehen, „Breaking Bad“, „Orange Is The New Black“, „Gilmore Girls“ und streifen noch weitere Serien. Folge 38: Frauenbilder in Serien

Und ganz zum Schluss noch eine kleine News-Auswahl: 

  • CBS All Access hat von „Star Trek: Discovery“ eine zweite Staffel bestellt. Vorfreude 1.
  • FX hat von „Better Things“ – einer wunderbaren Serie von und mit Pamela Adlon – eine dritte Staffel bestellt. Vorfreude 2. 
  • Aline Brosh McKenna (Erfinderin von „Crazy Ex-Girlfriend“) und Rene Gube (Father Brah in „Crazy Ex-Girlfriend“) entwickeln eine Comedy-Serie für CBS. Interessant.

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