Der kleine Serientipp: die Tech-Satire „Silicon Valley“

Zum fünften Mal in Folge empfehle ich eine Comedy – das kann drei Dinge bedeuten: 1. Es gibt derzeit einfach sehr viele gute Comedy-Serien. Oder ich bin 2. gerade sehr zum Lachen aufgelegt. Oder 3. beides. Ich entscheide mich für Nummer 3. Und verspreche hiermit hoch und heilig, dass der nächste kleine Serientipp keine Comedy sein wird. Also, „Silicon Valley“. Diejenigen unter Euch, die meine Texte über Serien in den vergangenen eineinhalb Jahren gelesen haben, wissen vermutlich schon, dass ich die Comedy sehr gut finde. Für alle anderen wiederhole ich mich sehr gerne: „Silicon Valley“ ist toll! Und Ihr solltet sie alle gucken!

Worum geht’s?

Um einen dünnen, blassen, schüchternen Programmierer im Silicon Valley, der eine Idee für ein Start-up hat und diese mit ein paar Entwickler-Freunden umsetzen will. Am Programmieren-Können mangelt es Richard nicht, aber an Sozialkompetenz. Außerdem muss er einige Hürden überwinden, mit einem riesigen, fiesen Konzern konkurrieren, und er tritt zu allem Überfluss noch in zahlreiche Fettnäpfchen.

Warum sollte ich das gucken?

Obige Inhaltsangabe hört sich nach einer Schon-tausendmal-gesehen-Geschichte an: vermeintlich schwacher Held, Hürden, Hürden, Hürden, noch mehr Hürden, Endgegner, irgendwann Ziel. Vielleicht ist sie das auch. Aber sie ist so kenntnisreich  in Sachen Tech-Branche und gleichzeitig einfallsreich mit den unterschiedlichen Wendungen umgesetzt, dass es großen Spaß macht, der Handlung zu folgen. Die Dialoge sitzen, und man muss aufpassen, nicht zu lange zu lachen, weil man den nächsten Witz, die nächste Anspielung auf die Szene im Silicon Valley verpassen könnte. Dazu kommen tolle Charaktere, die für eine halbstündige Comedy überraschend tiefgründig sind, und eine wirklich herausragende Besetzung. Für eine Comedy ungewöhnlich: Ich bin sehr gespannt auf die dritte Staffel, das Finale von Staffel zwei Mitte Juni war nämlich nicht nur einfach großartig, sondern auch sehr überraschend, es endete mit einem echten Cliffhanger.

Wo kann ich „Silicon Valley“ sehen?

Die Serie ist von HBO, in Deutschland ist sie daher immer zuerst bei Sky zu sehen. Staffel eins gibt es mittlerweile aber auch bei Amazon Instant Video und iTunes. Und auf DVD.

Und hier ein kleiner Vorgeschmack:



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Meine Serien-Linkliste der Woche (8)

Ach, da bin ich ja mal wieder spät dran, diese Woche. Aber ich gelobe Besserung. Ich sitze gerade im Zug nach Berlin, wo ich an einer Veranstaltung von Hacks/Hackers teilnehme. Und ich hoffe sehr, dass ich noch Freitagabend ein kleines, feines WLan finde, um die Fundstücke zu veröffentlichen. 😉 Genug der Vorrede: Diese Woche gibt es ziemlich viel zum Nachdenken über das, was uns da seriell immer wieder beschäftigt.
(Quelle: Giphy.com)

Zuerst ein paar ganz aktuelle Themen:

Na, so schlimm war es doch gar nicht! – Da hat sich bei „Vox.com“ aber jemand sehr über die erste Folge der zweiten Staffel „True Detective“ geärgert – und mal eben die 31 lächerlichsten Momente aufgeschrieben. Ich finde zwar auch, dass die zweite Staffel im Vergleich zur ersten stark abfällt (meine Kritik findet Ihr hier: „Brauchen wir eine zweite Staffel ‚True Detective‘?“), aber eine Katastrophe war es nun auch nicht. Die Liste ist trotzdem sehr interessant – und wütend-witzig geschrieben. „The 31 most ridiculous moments of the ‚True Detective‘ premiere“

Gruselig-schön – Diese Woche ist bekannt geworden, dass NBC keine weitere Staffel „Hannibal“ zeigen wird. Kann ich nachvollziehen, ich hatte mich ohnehin gewundert, warum diese Pay-TV-Publikum-Serie bei einem Free-TV-Sender läuft. Dass das das Ende von „Hannibal“ ist, denke ich nicht: Bryan Fuller, Macher der Serie, hat schon durchblicken lassen, dass er sich die Serie auch woanders vorstellen kann. Und es gibt eine starke Fangemeinde, die für ein Pay-TV oder Streaming-Angebot durchaus attraktiv ist. „Buzzfeed“ hat natürlich schnell auf die Nachricht reagiert und eine gruselig-schöne Liste zusammengestellt: „15 perfect jokes that Hannibal Lecter told“

Ein paar nette „GoT“-Nachzügler – Nach „Game of Thrones“ ist vor „Game of Thrones“. Und deswegen wird auch eine Woche nach dem Finale noch eifrig spekuliert, was diverse Entwicklungen zu bedeuten haben und wie die Handlungssträngen weitergehen könnten. „Sueddeutsche.de“ hat ein paar Theorien zusammengestellt (ACHTUNG! SPOILER!): „Fan-Theorien zu ‚Game of Thrones‘: Verzwickt bis verrückt“
Wunderbar finde ich übrigens das, was die Kollegen von „Welt.de“ zum Finale gemacht haben: Einen Immobilien-Portfolio für einige der wichtigsten Gebäude auf Westeros, inklusive einer auf tatsächlichen Werten basierenden Preisschätzung. Durchklicken! Freuen! „Immobilienpreise in Westeros“

Häh? – Wer die Fragezeichen im Kopf nicht mehr los wird, wenn er oder sie „Sense8“ von den Wachowski-Geschwistern auf Netflix guckt, dem kann vielleicht dieser Text vom „Wall Street Journal“ helfen: „8 things to help you make sense of ‚Sense8′“

Jetzt die versprochenen Stücke zum Nachdenken:

Ah! – Warum nimmt die Darstellung von Gewalt gegen Frauen in Serien zu? Reine Sensationsgier? Oder eine längst fällige Auseinandersetzung mit einem gesellschaftlichen Problem? Sonia Saraiya, TV-Kritikerin bei „Salon.com“, hat einen sehr guten (leider auch sehr langen) Essay darüber geschrieben. LESEN!!! „The truth about TV’s rape obsession: How we struggle we the broken myths of masculinity; on screen and off“

Achso! – Ohne passenden Soundtrack ist die beste Serie nichts. Deswegen ist folgender Blick hinter die Kulissen von „A.V. Club“ sehr spannend: „An insider explains how songs get into TV songs and movies“

Echt? – Ich bin mit „Seinfeld“ nie warmgeworden, weshalb ich auch nur ganz wenige Folgen gesehen habe. Umso überraschter war ich daher, als ich auf den Text von „Vulture“ gestoßen bin, der darlegt, warum Jerry Seinfeld mit seiner Comedy-Serie wegweisend war:  „How Jerry Seinfeld changed modern comedy with ‚Seinfeld'“ 



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Amerikanische Begeisterung über deutsche Serie & „Game of Thrones“ meets „Peanuts“

Das Staffelfinale „Game of Thrones“ ist vorbei und natürlich ist das Netz voll von Deutungen, Empörungen und Kleinkram dazu. Ich hatte erst überlegt, eine „GoT“-Special-Edition der Fundstücke zu machen, habe mich aber dagegen entschieden – dafür sind die Dinge, die ich gefunden habe, dann doch zu ähnlich. Klar kommen auch Links zu Stücken über „GoT“ vor, aber ich habe auch ganz viele andere Dinge gefunden, die das Serienfan-Herz erfreuen und das Serienfan-Hirn zum Nachdenken bringen dürften.

(Quelle: giphy.com)

Ooooh! Deutsche Serie! – Ich bin mittlerweile gespannt wie ein Flitzebogen auf die deutsche Serie „Deutschland 83“. Und die Amerikaner, die ja das Vergnügen haben, das Werk vor uns zu sehen, loben sie über den grünen Klee – also, zumindest die US-Kritiker sind begeistert. Die „New York Times“ hat ein großes, begeistertes Stück über die Serie gebracht (einfach ignorieren, dass sich die Überschrift sehr nach Inhaltsangabe anhört und draufklicken):  „‚Deutschland 83‘, a Sundance TV series about an earnest Stasi spy“
Der von mir sehr geschätzte Alan Sepinwall ist bei „Hitflix“ ebenfalls hin und weg (und hat das auch in seiner Überschrift zum Ausdruck gebracht): „Ooooh, the Germans (aka why you should watch Sundance’s ‚Deutschland 83‘)“

Schöner Quatsch. – Neun verrückte Verschwörungstheorien zu Serien. Von „Mentalfloss“. Muss ich mehr sagen? Einfach hier klicken: „9 crazy conspiracy theories about tv shows“

Hm. – Amazon und Netflix haben ein Problem: Es gibt bei ihnen keine Uhrzeiten. Das meine ich ernst – denn was für die Zuschauer toll ist, ist für die Anbieter eine Herausforderung. Wie soll das Publikum von neuen und alten Serien bei ihnen erfahren? Thomas Lückerath von „DWDL.de“ ist der Frage nachgegangen: „Die Ansätze von Amazon und Netflix: Wie kommuniziert man non-lineares Programm?“

Die Dänen mal wieder. – Die Kollegen von „Fortsetzung.tv“ finden die dänische Produktion „1864“ gut. Und da ich gut finde, was die Kollegen machen, packe ich den Link zur Rezension hier rein (ohne die Serie selbst gesehen zu haben):  „(Anti-) Kriegsdrama auf dänische Art: ‚1864‘ auf arte“

Yeah Aristoteles, bitch! <= So würde es Jesse Pinkman formulieren. Ich schreibe es so. => Jetzt wurde endlich entschlüsselt, warum US-Serien so gut sind. Es ist ganz einfach: Man muss sich nur an Aristoteles orientieren. 😉 Philipp Reinartz dekonstruiert bei „Zeit Online“ gängige US-Serien. Und erklärt an den Beispielen „Breaking Bad“, „Fargo“, „Better Call Saul“ und „Homeland“, was das mit den Aristoteles’schen Regeln zu tun hat. Lesen! (Und danach schreiben wir alle zusammen eine richtig geile Serie!): „Serien: Verloren im Zauberwald“

Ohjemine – Das Staffelfinale von „Game of Thrones“ ist vorbei und ich bin – im Gegensatz zu sehr vielen anderen Zuschauern – ein bisschen erleichtert. Weil ich aber hier nicht spoilern will, verrate ich nicht, wieso. Das Internet quillt seit Montagfrüh über (ok, das ist jetzt doch leicht übertrieben) mit „GoT“-Kram, aber im Grunde ist das alles ziemlich ähnlich (auch das ist natürlich übertrieben, ich habe ja nicht alles gelesen, die Aussage bezieht sich nur auf das, was ich gesehen habe). Ich habe aus dem Wust vier Sachen herausgefischt: Drei Dinge sind nützlich, eins ist einfach schön.
Schön: „Buzzfeed“ hat „Game of Thrones“-Zitate in „Peanuts“-Comicstrips montiert. Das Ergebnis ist verblüffend: „18 great ‚Game of Thrones‘ quotes on ‚Peanuts‘ comics“
AB HIER FETTER SPOILER-ALARM! Wer nicht wissen will, wie das Finale ausgeht, sollte auf keinen Fall auf die Links klicken und auch nicht das Video anschauen!
Nützlich 1:
„Variety“ hat zusammengestellt, welche Figuren in Staffel 5 gestorben sind: „Who lived and died in ‚Game of Thrones‘ season 5“ 
Nützlich 2: „Wall Street Journal“ hat ein Interview mit David Nutter – Regisseur des Staffelfinales – geführt, in dem er einige Szenen der Folge erklärt:  „‚Game of Thrones‘ director on why one death wasn’t shown“
Nützlich 3: HBO hat ein Video rausgegeben, in dem sich die Showrunner David Benioff und D.B. Weiss zu den entscheidenden Szenen des Finales äußern.


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Der kleine Klassiker-Serientipp: die Nerd-Comedy „Spaced“

Schon wieder eine Comedy, aber dieses Mal eine, die bereits etwas älter ist: die britische Nerd-Comedy „Spaced“ von 1999 bis 2001. Ich finde es erstaunlich, dass ich nicht schon vor Jahren darüber gestolpert bin. Aber manchmal braucht es seine Zeit, bis man guten Stoff entdeckt.

Worum geht’s?
Der Comiczeichner/Comicladen-Mitarbeiter Tim (Simon Pegg) ist in London auf Wohnungssuche, da lernt er Daisy (Jessica Hynes) kennen, die ebenfalls dringend eine Bleibe braucht. Sie tun sich zusammen, geben sich als Pärchen aus – und finden eine Wohnung. Er ist ein klassischer Nerd – liebt Comics, Filme, Videogames -, dem gerade das Herz gebrochen wurde. Sie eine arbeitslose Journalistin, die große Träume hat und in einer unglücklichen Beziehung steckt. Ihr neuer Nachbar ist der Maler Brian, außerdem wohnt im Haus noch die Vermieterin Marsha. Regelmäßig kommt Tims bester Freund Mike (Nick Frost) vorbei. Jede einzelne dieser Figuren ist auf ihre Art schräg, und zusammen erleben sie merkwürdige Dinge, zum Schreien komisch erzählt. Huch, jetzt rutsche ich ja schon in die Warum sollte man das gucken?-Kategorie. Es fällt mir schwer, einfach nur zu beschreiben, worum es geht. Denn das ist bei dieser Serie nicht wirklich wichtig. Das Überraschende ist die Art, wie die Geschichten erzählt werden – mit einem Feuerwerk an Popkultur-Referenzen in Dialogen, ganzen Szenen, Kameraeinstellungen. Die Anspielungen sind so dicht und manche so fein, dass ich nicht alle verstanden hätte – wenn es da nicht das „Homage-O-Meter“ gegeben hätte. Untertitel, die die Referenzen nennen. Wie praktisch! Und bei dieser Serie sehr nötig. Aus einer Folge ist übrigens die Idee zu „Shaun of the Dead“ entstanden, der Zombie-Komödie von Simon Pegg und Nick Frost.

Wo kann man “Spaced” sehen?
Leider nur auf DVD. Aber die lohnt sich sehr! Und die bietet ja dann auch, wie oben angepriesen, das „Homage-O-Meter“.

Und hier ein kleiner Vorgeschmack:



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Muttersein als Schwäche und worum es bei „Game of Thrones“ wirklich geht

Muttersein wird zu oft als Schwäche dargestellt, warum es jetzt mal reicht mit den Reboots und worum es bei „Game of Thrones“ eigentlich geht (Hinweis: hat mit dem Klima zu tun) – diese und noch mehr sehr spannende und zum Denken anregende Stücke zu Serien. Zum Schluss gibt’s noch einen kleinen Blogtipp. Viel Vergnügen beim Lesen!→ weiterlesen

Die acht Hürden auf dem Weg zur nebenan

Ich bin zur Internet-Konferenz nebenan gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. Und wie es bei Jungfrauenschwangerschaften immer so ist: Natürlich war das keine unbefleckte Empfängnis. Es war schon meine Idee, allerdings war sie nicht ernst gemeint. Ernst wurde sie erst, als derjenige, dem ich die Idee eher scherzhaft vorgeschlagen hatte, davon überzeugt war, dass es eine gute Idee ist: Ole Reißmann. Und er überzeugte mich, dass wir die Idee zusammen umsetzen sollten. Denn, ganz ehrlich, mit Ole kann man so etwas eben einfach durchziehen. Er ist sehr gut vernetzt und gleichzeitig ein sympathischer Typ – durch ihn stiegen die Chancen, dass spannende Netzmenschen für unsere Konferenz zusagen würden. Und genau so war es. Wir hatten tolle Gäste, die inspiriert haben. Und großartige Teilnehmer, die offen für neue Gedanken waren. Damit habe ich das Ende bereits verraten. 😉 Aber vor das gute Ende hatte das Schicksal ein paar Hürden gesetzt.

Die erste Hürde: Würde überhaupt jemand zu unserer Konferenz kommen wollen? Ursprünglich hatten wir nur Leute angefragt, deren Sessionvorschläge von der re:publica 2015 (rp15) abgelehnt worden waren (so war ja auch die Idee entstanden, mehr dazu in unserem Interview bei Digital Media Women). Doch in Gesprächen mit anderen wurde ziemlich schnell klar: Wir sollten uns von der rp15 lösen. Und so haben wir eine eigene thematische Richtung entwickelt. Herausgekommen ist dann zwar ein Programm, das wir spannend finden. Aber was würden die anderen dazu sagen, würden sie Tickets kaufen? Die Sorge trieb uns von Anfang an um. Jetzt weiß ich: Wenn es 2 gut finden, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass es auch 150 weitere gut finden. Und 18 davon sogar noch viel Geld zusätzlich geben! Die Tickets waren innerhalb von zweieinhalb Stunden ausverkauft – und dabei hatten wir die Konferenz und das Line-up nur über Twitter bekanntgegeben.

Die zweite Hürde: Wie viel würden die Leute wohl dafür zahlen wollen? Ursprünglich wollten wir nur zehn Euro nehmen. Doch eine erfahrene Konferenzplanerin (danke, Caro!) hat uns gesagt: Das ist zu billig! Das nimmt keiner ernst! Wir haben uns dann für 19 Euro und 11 Euro ermäßigt entschieden – was im Nachhinein immer noch riskant niedrig war. Unsere Kalkulation umfasste anfangs nur zwei Dinge: Location – das Betahaus in Hamburg (die Leute dort sind übrigens sehr freundlich und hilfsbereit) – und Fahrtkosten für die Speaker und Speakerinnen, die nicht aus Hamburg kommen. Doch im Laufe der Zeit kamen noch weitere Posten dazu.

Die dritte Hürde: die Suche nach Sponsoren. Anfangs suchten wir Sponsoren, weil wir dachten, dass wir durch finanzielle Unterstützung noch nette Add-ons bieten könnten. Der Name „freundliche Internet-Konferenz“ sollte ja berechtigt sein. Später suchten wir dann Sponsoren aus purer Geldnot. Und eigentlich waren wir erfolgreich. Aber leider nur eigentlich. Ich hatte zunächst den richtigen Riecher und einen Sponsor angesprochen, der großes Interesse und eigentlich auch sehr willig war. Kurz vor knapp scheiterte es daran, dass das Unternehmen einen großen Aufschlag planen wollte, aber dafür keine personellen Kapazitäten hatte – weil wir zu kurzfristig angefragt hatten. Doch irgendwie war uns das Glück hold, und die Hamburger Senatskanzlei wurde über Umwege auf uns aufmerksam – und versprach, uns im Rahmen ihrer Initiative Next Media Hamburg zu fördern. Und zwar mit mehr Geld, als wir zu hoffen gewagt hatten. Damit war nicht nur gesichert, dass die Konferenz würde stattfinden können, sondern auch, dass wir eine Soundanlage buchen (Voraussetzung zum Videodrehen) und eine Video-Journalistin würden bezahlen können.

Die vierte Hürde: Was sollen die Teilnehmer essen? Von Anfang an war klar: Jeder würde selbst zahlen müssen. Das Einfachste: Da das Betahaus mitten im Schanzenviertel liegt, könnten sich die Teilnehmer mittags selbst was Schnelles irgendwo suchen. Das wollten wir aber nicht, weil unser Anliegen auch war, den Austausch der Teilnehmer untereinander zu fördern. Warum also nicht einen Foodtruck vor die Tür holen? Schließlich ist die Foodtruck-Dichte in Hamburg sehr hoch. Das war weniger einfach, als wir anfangs dachten. Der Foodtruck-Betreiber, mit dem wir uns einig waren, sagte uns sechs Wochen vorher ab. Der nächste, der bereit war, wollte einen garantierten Mindestumsatz – für uns ein finanzielles Risiko. Glücklicherweise konnten wir Vincent Vegan überzeugen, dass die nebenan eine gute Sache ist.

Die fünfte Hürde: unsere Unerfahrenheit. In drei Monaten eine neue Konferenz zu organisieren, ist eine Herausforderung, besonders, wenn man etwas in der Art noch nie gemacht hat – dessen waren wir uns bewusst. Und daher haben wir uns auch nicht darüber gewundert, dass wir immer mal Fehler gemacht haben. Zum Beispiel die Kalkulation zu niedrig anzusetzen. Oder nicht zu bedenken, dass Videos machen zu wollen eben auch bedeutet, dass man guten Sound braucht. Oder erst zwei Wochen vorher entsetzt festzustellen, dass wir nicht nur morgens jemanden für den Einlass brauchen, sondern dass dort ständig jemand sitzen muss. Oder vier Tage vorher zu bemerken, dass wir keine Bühne dazu gebucht hatten (zu dem Zeitpunkt war ich aber schon in dem „Ach, egal, dann haben wir eben keine“-Stadium angekommen). Oder zu unterschätzen, was es bedeutet, wenn Leute ihr Ticket weitergeben – nämlich zeitlichen Aufwand: Wir mussten den Leuten immer neu erklären, dass wir von den neuen Besitzern den Namen und die E-Mail-Adresse brauchen, dass sie das Finanzielle selbst regeln müssen, und wir mussten dann im Ticketsystem Namen und E-Mail-Adresse ändern. Oder am Tag selbst von einem aufgeregten Foodtruck-Besitzer angerufen zu werden, dass es Probleme mit dem extra eingerichteten Halteverbot gibt (falsche Straßenseite! War echt dumm von mir!) und dann blitzschnell eine Lösung dafür finden zu müssen.

Die sechste Hürde: Würde ich meinen Vortrag rechtzeitig fertig kriegen? Der Anlass für die nebenan war, dass ich einen rp15-Vortrag halten wollte und abgelehnt worden war. Deshalb war es selbstverständlich, dass ich mich als Speakerin einplante. Nicht nur, dass ich aus der Übung war (mein letzter Vortrag liegt ein paar Jahre zurück), ich hatte einfach nicht die Zeit, ihn vernünftig vorzubereiten – ich hatte unterschätzt, wie viel Zeit die nebenan kurz vorher auffressen würde.

Die siebte Hürde: fehlende Zeit. Ole ist festangestellt und steckt mitten in einem wichtigen Projekt. Und ich? Stehe am Anfang meiner Selbstständigkeit. Das war ein Glück, so konnte ich meine Zeit frei einteilen und auffangen, dass Ole weniger Zeit für die Vorbereitungen hatte als ich. Klar, für mein Konto war es nicht gut, dass ich wegen der Vorbereitungen zwei bis drei Aufträge (einer davon war wirklich fett) abgelehnt habe. Aber hey, wann hat man schon mal die Chance, eine eigene, ausverkaufte Konferenz auf die Beine zu stellen? Ich habe wahnsinnig viel gelernt. Und, ich will Euch jetzt nichts vormachen, natürlich hatte ich auch im Hinterkopf, dass es gut für meinen Ruf ist, die nebenan erfolgreich zu organisieren. Außerdem war es für mich die Gelegenheit, mich mit einem Vortrag über starke Frauen in TV-Serien noch besser in der Serienszene zu etablieren.

Die achte Hürde: Wie wird eine Konferenz „freundlich“? Glücklicherweise haben wir uns durch unseren eigenen Anspruch nicht stressen lassen. Am Ende der Konferenz erst fiel mir auf, dass wir zwar „freundlich“ sein wollten, es aber nicht krampfhaft versucht hatten. Es hat sich einfach irgendwie ergeben: Mit der Wahl der Vortragenden hatten wir den richtigen Riecher. Außerdem hatte Ole schon sehr früh die Idee, dass wir zum Beginn eine Sängerin auftreten lassen könnten, um mit etwas Flausch in den Tag zu starten. Glücklicherweise kannte meine Ex-Kollegin Kathrin genau die richtige Frau für uns: Antje Schomaker. Antje singt nicht nur toll, sondern ist auch unglaublich nett, wie ich beim ersten Treffen mit ihr festgestellt habe. Die Ansprache der von Ole gebauten nebenan-Website ist freundlich, unsere Kommunikation über Twitter und Facebook bewusst offen und nett. Dazu ergab es sich, dass mir eine Freundin anbot, ihr Freund könne uns ja mit Leberwurst- und Marmeladenbroten am Vormittag versorgen (und er hat sich wirklich rührend um uns gekümmert, tausend Dank an Christian von Hermann’s!). Außerdem waren die Jungs von 1337Mate so nett, uns mit sehr viel Mate zu versorgen. Das alles in der sehr offenen Atmosphäre des Betahauses – und schwupps, wurde es tatsächlich eine freundliche Internet-Konferenz.

Schlussendlich haben wir alle Hindernisse überwunden (das hatte ich oben ja bereits gespoilert), auch dank der vielen tollen Menschen, die uns auf dem Weg dahin und am Tag selbst unterstützt haben (Ralf!!1elf!!! Joe!!! Arne!!!). Auch wenn ich am Samstag, als ich gefragt wurde, wie ich es finde, immer geantwortet habe: „Öh, weiß ich nicht. Ich habe bisher so wenig mitbekommen. Wie gefällt es Dir denn?“. Aber nach der Flausch-Welle, die uns überrollt hat – viele viele Teilnehmer, die uns persönlich begeistert gedankt haben, Vortragende, die es toll fanden, und die unglaublich vielen lieben Tweets – kann ich heute, Tag 1 nach der nebenan, sagen: Ja, es war wunderbar! <3

Yeah! Hoffnung!

Huch, schon Donnerstag und ich habe noch keine Fundstücke-Liste geschrieben? Das ändere ich jetzt mal schnell. Ausnahmsweise in abgespeckter Version, denn wegen der Internet-Konferenz nebenan, die ich mit Ole Reißmann zusammen organisiere und die am Samstag stattfindet, habe ich ein bisschen viel um die Ohren derzeit. Ich freue mich schon sehr drauf und vielleicht sehen wir uns ja dort! So, hier aber jetzt die Liste – mit fünf spannenden Lesestücken.→ weiterlesen